Gibt es Hörgeräte gegen Tinnitus?

Bild: Ein Tinnitus ist für Betroffene eine große Belastung

Etwa vier Prozent unserer Bevölkerung leidet unter tonalem oder nicht-tonalem Tinnitus. Bereits durch etwas zu viel Lärm oder zu langer Zeit unter mäßigem Lärm, kann es zu einem Tinnitus kommen. Zum Glück kann eine moderne Geräuschtherapie mittels Hörgerät Abhilfe schaffen oder zumindest die Störgeräusche des Tinnitus abmildern. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert.

Weniger Geräusch durch mehr Geräusch?

Bislang haben es sogenannte Masker versucht den Tinnitus angenehmer zu machen. Dabei wird dem Hörgeräteträger ein ständiges Geräusch auf das Ohr gespielt, welches den Tinnitus übertönen soll. Tatsächlich hat dies aber schon dazu geführt, dass der Tinnitus dadurch noch unerträglicher wurde. Gerade wenn das Hörgerät nicht im Einsatz war.
Deshalb gibt es neue Ansätze, die den Tinnitus nicht überdecken, sondern in den Hintergrund drängen. Ein Noiser kommt bspw. zum Einsatz, der ein permanentes sanftes Rauschen erzeugt. Dies erleichtert die Gewöhnung an den Tinnitus. Gleichzeitig ist es möglich, trotzdem die Umweltgeräusche und Gespräche zu verstärken.
Wer nicht unter einem Tinnitus leidet, kann sich kaum vorstellen, dass ein durchgehendes Rauschen nicht nervt. Betroffene berichten hingegen überwiegend positives darüber.

Entspannen mit Urlaubsfeeling

Meeresrauschen im Hörgerät gegen Tinnitus

Dieses weiße Rauschen kann auch durch das Rauschen des Meeres erzeugt werden. Dies lenkt gleichermaßen vom Tinnitus ab. Demnach spielt das Hörgerät Wellengeräusche vor, das man von Strandspaziergängen aus dem Urlaub kennt. Auch hier ist das Rauschen nur unterschwellig wahrzunehmen. Dadurch soll sich das Gehirn unterbewusst vom Tinnitus ablenken.

So funktioniert die neueste Therapie

2016 haben drei Wissenschaftler eine Arbeit veröffentlicht, in der sie von der Tinnitus-Notch-Therapie berichten.
Was passiert dabei? Das weiße Rauschen im Hörgerät entsteht, weil alle möglichen Frequenzbereiche durcheinander abgespielt werden. So entsteht das typische Zischen. Dabei werden manche Bereiche stärker betont als andere, aber quasi völlig willkürlich. Auch der persönliche Tinnitus hat einen Frequenzbereich, der bei jedem Erkrankten individuell ist. Hört der Betroffene nun das weiße Rauschen, setzt sich die Frequenz des Tinnitus im Grunde oben auf die künstlich erzeugten Frequenzen. So provoziert sie eine Überstimulation.
Bei der Tinnitus-Notch-Therapie spart man bei dem weißen Rauschen genau den Frequenzbereich aus, der dem Tinnitus entspricht.

Beispiel: Ihr Tinnitus lieg im Frequenzbereich von 7300 Hertz. Das weiße Rauschen ertönt dann nur noch von 0 bis 6000 Hertz und dann wieder von 8100 bis 20.000 Hertz. Der Bereich zwischen 6000 und 8100 wird nicht mehr abgespielt, sodass hier der Tinnitus nicht noch zusätzliche Reize erzeugt. 
Die Bereiche in diesem Beispiel sind fiktiv und dienen nur der Veranschaulichung. Sie werden bei jedem Betroffenen individuell eingestellt.

Inzwischen gibt es mehrere Hörgeräte-Hersteller, die sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Da es bislang noch keine Heilung für einen Tinnitus gibt, könnte dieser Ansatz jedoch vorerst Erleichterung bringen. Manche Anwender sprechen von einer „lebensverändernden Errungenschaft“, weil ihr Leben dadurch erträglicher wurde. Informieren Sie sich über diese tolle Möglichkeit.


Quellen:

  1. Powers, L., dos Santos, G.M., & Jons, C. (2016, September). Notch Therapy: A new approach to tinnitus treatment. AudiologyOnline, Article 18365.
  2. Tinnitus Notch Therapy: A Brief Overview: https://www.youtube.com/watch?v=tu1nTMHcd6o
  3. Signia. Entlastung bei Tinnitus. https://www.signia.net/de-de/hoerverlust-und-tinnitus/tinnitus/

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